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Im In- und Ausland
stöberte Helmut Ruthemann im Laufe der vergangenen drei
Jahrzehnte erfolgreich nach Grammophonen. Hin und wieder
entdeckte der Groß Lobker Originale auf Flohmärkten, auch bei
Händlern im Ausland wurde er fündig. Oder er „schwatzte"
Freunden und Bekannten solche mechanischen Musikmaschinen ab. So
kam im Laufe der Jahre eine Grammophon-Ausstellung erster Güte
zusammen. Sie zeigt Musikgeräte aus aller Welt. |
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Die meisten stammen
aus der Schweiz, Belgien, Frankreich, Italien, England und den
Vereinigten Staaten. Kreisheimatpfleger Gerhard Schütte kennt
die Grammophone und weiß, daß die Sammlung von Helmut
Ruthemann zu den größten und bedeutendsten in Deutschland
zählt. Meist waren die Grammophone in einem erbärmlichen
Zustand. Der inzwischen im Ruhestand lebende Techniker aus der
Blaupunkt-Entwicklerabteilung brachte sie dann mit viel Geduld
und technischem Verstand wieder in einen spielbereiten Zustand. |

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„Es ist heute
nicht mehr so leicht, Grammophone aufzustöbern", verrät
der Sammler. Für manches Exemplar fuhr er viele hundert
Kilometer. Für das „Zonophon", Baujahr 1902, harrte er
sogar bis vier Uhr morgens in einer Berliner Kneipe aus und
spendierte eine Runde nach der anderen. Erst als der Trödler,
der die Kostbarkeit besaß, genug Bier getrunken hatte, war er
zum Verkauf bereit. Die ältere Generation wird sich beim
Betrachten dieser Grammophon-Raritäten noch an die gute alte
Zeit erinnern: an die Stimmen der damaligen Platten-Superstars
Enrico Caruso oder Richard Tauber und an Melodien von Paul
Lincke, Viktor Holländer und Walter Kollo. Wenn sie aufgelegt
werden, weht durch die Ausstellungsräume
in dem alten, renovierten Fachwerkhaus in Groß Lobke ein Hauch
von Nostalgie. |
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Die ältesten
Geräte stammen aus der Zeit um die Jahrhundertwende. 1906
wurden in Deutschland monatlich rund 250 000 Grammophone
hergestellt und 1,5 Millionen Schallplatten gepresst. Viele
Topmodelle sind in Groß Lobke zu bewundern. |
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der größten Grammophonen gehört das „Concert-Akto-Francais"
aus Frankreich, das eine Höhe von zwei Metern aufzuweisen hat.
Alle diese Modelle stammen etwa aus der Zeit von 1900 bis 1932.
Neben jedem ausgestellten Grammophon weist eine Tafel auf
Besonderheiten, Baujahr und Herstellerland hin. |
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Da steht zum
Beispiel ein englisches Grammophon, dessen Trichter aus alten
gepressten Telefonbüchern besteht und die Töne weich
wiedergibt. Zu den Raritäten zählen auch das „Spezialophon"
von 1909 mit einem drehenden Christbaum und ein französisches
Kleinst Grammophon von 1926, das je nach ein gestellter Uhrzeit
mit Musik weckt. |
Erst
durch Einwurf eines Zehnpfennigstückes ist das „Klingsor-Verdi-Gerät"
von 1913 spielbereit. Das Stand Grammophon „Operaphone",
1920 in England gebaut, hat die Form eines Flügels und gilt
optisch als das feinste der ausgestellten Modelle. Eines der
Geräte hat sogar eine Lautstärkeregelung: Mit Hilfe eines
Bowdenzuges lässt sich ein Gummiball mehr oder weniger tief in
den Schalltrichter schieben.
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Ein Standgerät mit
riesigem Trichter diente schon in mehreren Fernsehproduktionen
als Kulisse. Zuschauer der früheren Fernsehserie „Liebling
Kreuzberg" erkennen diese Riesenmaschine vielleicht wieder.
Helmut Ruthemann kam über einen Trödler an das kuriose Stück.
Und einer seiner Freunde erwarb von einer älteren Dame eine
vermeintliche Kamera aus den 30er Jahren, die sich dann später
aufgeklappt als kleines Grammophon entpuppte.
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Der
„letzte Schrei" war ein Schallplatten-Aufnahmegerät, das
beim Frisör an der Front im Zweiten Weltkrieg für Furore
sorgte. Während des Haareschneidens konnte der Soldat Grüße
von der Front nach Hause sprechen. Per Post wurde die
besprochene Schallplatte in die Heimat geschickt. Interessant
ist auch die Abteilung von Kindergrammophonen aus den 20er
Jahren, gefertigt in vielen Ländern der Welt. Große blütenkelchähnliche
Trichter in verschiedenen Farben sind für die vielen Modelle
charakteristisch. |
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der Öffnung seiner Grammophonsammlung für die Öffentlichkeit
sucht der Groß Lobker auch Kontakt zu anderen Sammlern und
Interessenten. Aus einer Vielzahl alter Schellackplatten hat er
viele Scheiben für Vorführzwecke ausgesucht. |
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Museums-Cafe
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Nach
dem Museumsbesuch bietet ein kleines Museums-Cafe die
Möglichkeit, den Besuch bei etwas Kaffee und Kuchen ausklingen
zu lassen und sich mit dem Sammler über sein Hobby zu
unterhalten. |